Laudatio Bischof Felix Gmür

27.06.2012

Laudatio von Bischof Felix Gmür zur Verleihung des „Good News“ Preises an Sandra Rupp Fischer

Der Basler Bischof Felix Gmür hielt die Laudatio für Sandra Rupp Fischer. Sie organisierte ein das 'kirchenklanfest cantars 2011', das vergangenes Jahr rund 8‘000 Sänger anzog und von über 60‘000 Menschen besucht wurde.

Liebe Preisträgerinnen und Preisträger
Sehr geehrte Damen und Herren
Liebe Frau Rupp

Sandra Rupp, Miss „cantars“! Sie sind die Seele von „cantars“! Noch mehr, Sie sind die singende Seele von „cantars“! 8‘000 Gurgeln bringen Sie in Schwingung, 8‘000 Kehlen singen nach Ihrem Taktstock! In über 200 Konzerten kommt Musik zu ihrem Klang! Musik, die aus dem Herzen strömt, Musik, sie spricht die Seelen an! Denn Kirchenmusik ist die Sprache der Seele, sie ist singender Ausdruck des Lebens! Und „cantars“, das große Kirchenklangfestival im Bistum Basel, bringt das Leben zum Klingen, berührt die Seele! Das sind mehr als 500 Mal „good news“ für die 8‘000 Sängerinnen und Sänger, „good news“ für die über 60‘000 Konzertbesucherinnen und -besucher, „good news“ für die Kirche in der Schweiz, „good news“ für Sie, Frau Rupp! Und deshalb haben Sie den „Good news“-Preis, stellvertretend für alle Kinder und Jugendlichen, Frauen und Männer, die sich bei „cantars“ mit Leib und Seele engagiert haben, mehr als verdient!

Im Buch Deuteronomium, dem Alten Testament der Christenheit, steht das berühmte „Schema Jisrael“. Es ist zugleich Bekenntnis und Gebot; Bekenntnis zu Gott, Gebot zur Liebe. Jesus bekräftigt in Jerusalem, dass es das erste aller Gebote ist. Es lautet: „Liebe also Ihn, deinen Gott, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit all deiner Kraft“. Jetzt übersetze ich anders: „Liebe also Ihn, deinen Gott, mit ganzem Herzen, aus ganzer Kehle, mit all deiner Kraft“. Ja, Sie hören richtig: „mit ganzer Kehle“, „aus allen Kehlen“.

Ursprünglich bedeutet das hebräische Wort „næphæsch“, das wir mit „Seele“ übersetzen, nämlich „Gurgel“ oder „Kehle“. Und weil wir durch die Kehle atmen, bedeutet es dann sogleich auch „Hauch“ und „Atem“. Und weil wir nur leben, wenn und weil wir atmen, bezeichnet „næphæsch“ umfassend die Lebenskraft, das menschliche Leben, ja den Menschen selbst, mit all dem, was ihn zum Menschen macht. „Næphæsch“ ist die „Seele“ des Menschen.

Für uns Christinnen und Christen ist die Seele nichts Abgehobenes, nichts, was irgendwo im luftleeren Raum herumschwebt, nichts, was man nicht fassen könnte. Für uns Christinnen und Christen ist die Seele konkret: Sie kommt aus dem Herzen über die Kehle zum Klang! Die Seele spricht, ja noch mehr: Die Seele singt! Die Sängerinnen und Sänger von „cantars“ singen Gott ihre Liebe zu! Sie singen den Menschen ihre Liebe zu! Die Kirchenmusiker singen und musizieren, und wir hören im Gesang, wie schön die Liebe ist!

Am Ende einiger Psalmen beten wir den Vers: „Lobe den Herrn, meine Seele!“ Oder, wir wissen es jetzt, genauer: „Lobe den Herrn, meine Kehle!“ Die Kehle ist es ja, die singt und so Gott segnet. Wenn die Lieder und der Gesang aus den Kehlen der Cantars-Sängerinnen und –sänger die Zuhörer in ihren Seelen berührt haben, so ist das eine konkrete Umsetzung des biblischen Gebotes: Liebe Gott und deinen Nächsten aus ganzer Seele! Was aus der Kehle kommt, berührt die Seele!

Frau Rupp, ich danke Ihnen von ganzem Herzen, mit der Stimme meiner Kehle, dass Sie die vielen „cantars“-Kehlen zum Singen bringen mit Musik, zum Lob der Liebe Gottes, zur Bekräftigung der Liebe zu den Menschen!

Ihr Gesang, Frau Rupp, kommt aus der Seele und berührt die Seelen! Und Ihr Gesang, Frau Rupp, bringt „good news“!

Herzlichen Dank, Miss „cantars“!
Herzliche Gratulation, Du singende Seele von „cantars!“

+Felix Gmür
Bischof von Basel

Olten, 27. Juni 2012